Die Entwicklung des Hundes vom Welpen zum erwachsenen

Hundewelpen werden relativ hilflos geboren, wachsen aber schnell zu selbstständigen Individuen mit einer einzigartigen Persönlichkeit heran. Eine überwältigende Reise, bei der der Hund viele verschiedene Phasen durchläuft. Indem wir die unterschiedlichen Entwicklungsstadien verstehen, können wir sein Verhalten leichter nachvollziehen und diesem angemessen begegnen.

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Die Zeit, die der Welpe in der Gebärmutter der Hündin verbringt, wird pränatale Phase genannt und dauert etwa 58–68 Tage.

Eine trächtige Hündin sollte genauso leben wie immer, allerdings mit weniger Aktivitäten und mehr Vorsicht in den letzten Wochen der Trächtigkeit. Ebenso sollte sie keinem unnötigen Stress ausgesetzt werden. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass Welpen bereits im Embryonalstadium von Ihrer Mutter beeinflusst werden. Dabei ist höchstwahrscheinlich die Menge an Stress- und Geschlechtshormonen entscheidend, die von der Hündin abgesondert und über die Plazenta an den Welpen weitergegeben werden. Pränataler Stress kann dazu führen, dass Gehirn und Organe bereits bei der Geburt darauf vorbereitet sind, in Stresssituationen auf bestimmte Art zu reagieren. Dies kann zu verminderter Neugier, schlechterem Lernvermögen, Aggressivität oder verändertem sexuellem Verhalten führen.

Während der Trächtigkeit benötigt die Hündin nährstoffreicheres Futter als sonst, da sie nicht nur sich selbst versorgt. Es gibt gutes Alleinfuttermittel, das sowohl in der Trächtigkeit als auch in der Säugezeit für die Hündin geeignet ist und sogar für wachsende Welpen und Junghunde verwendet werden kann.

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Bei der Geburt sind Welpen quasi hilflos und stark von der Hündin abhängig. Während der neonatalen oder auch vegetativ genannten Phase schlafen die Welpen die meiste Zeit und sind nur 2 bis 15 Prozent des Tages aktiv. In dieser Zeit ist das Säugen die Hauptbeschäftigung. Dennoch können sie bereits schreien und winseln, um sich und ihren Gemütszustand verständlich zu machen.

Saugverhalten und Milchtritt

Saugverhalten und "Milchtritt" (die Welpen treten mit den Pfoten gegen die Zitzen der Hündin, um den Milchfluss anzuregen) sind angeborene Verhaltensweisen. Die Nahrungssuche ist ein natürlicher Teil der Entwicklung, sodass Hündin und Welpen das Säugen im Normalfall alleine schaffen. In einigen Fällen kann eine helfende Hand nützlich sein, beispielsweise, wenn die Welpen sich nicht zurechtfinden oder die Hündin unerfahren ist.

Gehirn, Sehvermögen und Gehör

Bei der Geburt ist das Gehirn des Welpen relativ unentwickelt; EEG-Untersuchungen haben eine niedrige Hirnaktivität gezeigt. Die Augen sind geschlossen und die Sehnerven noch nicht entwickelt, sodass die Welpen nicht sehen können. Da die Gehörgänge geschlossen sind, können sie auch nichts hören. Dennoch reagieren sie auf grelles Licht und laute Geräusche. Die Ursache dafür ist bislang unbekannt.

Die Wärme halten

In ihren ersten Lebenstagen können Welpen ihre eigene Körpertemperatur noch nicht regulieren. Daher sind sie von ihrer Mutter und den Geschwistern abhängig, um die richtige Temperatur zu halten. Zudem sollten sich die Welpen an einem warmen Ort aufhalten.

Harnblase und Darm

Harnblase und Darm funktionieren, allerdings können die Welpen diese in den ersten zwei Wochen noch nicht alleine entleeren. Deshalb leckt die Hündin sie zur Stimulation ab, sodass Urin und Kot abgegeben werden. Da die Welpen diese Funktionen nicht selbst steuern können, ist es lebensnotwendig, dass die Hündin sich darum kümmert.

Berührung und Schmerzen

Welpen können Berührungen am Kopf und sogar Schmerz wahrnehmen, jedoch nicht in größerem Ausmaß.

Die Übergangsphase ist eine kurze aber ereignisreiche Zeit im Leben eines Welpen, in der drastische Änderungen geschehen. Eine ganz neue Welt eröffnet sich den jungen Hunden, wenn sie das erste Mal die Augen öffnen, anfangen zu hören und sich außerhalb der Wurfkiste bewegen. Das Gehirn wird vollständig aktiviert und die Welpen sind reif für komplexeres Lernen.

Die Augen öffnen sich und das Gehör beginnt zu arbeiten

Die Welpen öffnen die Augen nach 12 bis 13 Tagen. Das Zusammenziehen der Pupillen bei starken Lichtverhältnissen funktioniert einige Tage später und die Welpen versuchen nun, beweglichen Objekten zu folgen. Vermutlich sehen sie nur Licht und Schatten ohne jegliche Details, aber je mehr sich der Pupillenreflex, die Muskulatur im Auge, die Sehnerven und das Sehzentrum im Gehirn entwickeln, desto besser wird die Sicht des Welpen. In einem Alter von 28 Tagen können Welpen wie ausgewachsene Hunde sehen.

Zum Ende der Übergangsphase beginnt auch das Gehör zu funktionieren und die Welpen reagieren auf laute Geräusche. Zu diesem Zeitpunkt haben sie die Augen bereits einige Tage geöffnet und können den Blick fixieren. Jetzt zeigen sie auch die ersten Anzeichen von Angst und können sich plötzlichen Seh- oder Geräuscheindrücken entziehen. Gehörtests zeigen, dass 3 bis 4 Wochen alte Welpen genauso hören wie ein ausgewachsener Hund und sich an Geräuschen orientieren können.

Sitzen, Stehen, Gehen und Spielen

In einem Alter von 2 Wochen sind die Nervenbahnen in den Vorderbeinen entwickelt und die Welpen können sitzen. Eine Woche später hat sich auch die Motorik des hinteren Körperbereichs verbessert, sodass sie stehen und einige Tage später mit dem Schwanz wedeln und gehen können (auch wenn es zu Beginn noch etwas ungeschickt aussieht). Zudem fangen sie jetzt an, ein wenig miteinander zu spielen. Zwei bis vier Wochen nach der Geburt ist auch das Schmerzempfinden der Welpen vollständig entwickelt.

Mit dem Schwanz wedeln, knurren und bellen

Etwa 3 bis 5 Wochen alte Welpen verhalten sich immer mehr wie ausgewachsene Hunde. Sie wedeln mit dem Schwanz, knurren und bellen. Sie spielen mit den Geschwistern und/oder der Mutter, sind kontaktfreudiger und neugieriger und wagen sich auch aus der Wurfkiste, wenn sie können.

Zähne, Notdurft verrichten und assoziatives lernen

Während der Übergangsphase beginnen die Eckzähne im Oberkiefer der Welpen zu wachsen, sodass sie das Kauen von Futter lernen können. Außerdem sind sie nun in der Lage, selbstständig ihre Notdurft zu verrichten, sodass sie nicht mehr auf die Hilfe der Hündin angewiesen sind. Weiterhin können sie einen bestimmten Reiz mit einer Reaktion verbinden (sogenanntes assoziatives Lernen). So fangen sie beim Geklapper der Futternäpfe beispielsweise an zu speicheln, nachdem sie gelernt haben, dass es Zeit fürs Essen ist, wenn es klappert.

Säugen auf eigen Initiative

Bis zu einem Alter von 4 Wochen ergreift die Hündin die Initiative zum Säugen. Danach beginnen die Welpen zunehmend alleine zu säugen und bei der Mutter zu betteln. Daraus entsteht ein Mutter-Kind-Konflikt, der typisch bei Hunden ist. Es liegt im Interesse der Welpen, solange wie möglich zu säugen, während die Hündin dies so schnell wie möglich unterbinden möchte, da das Säugen äußerst kräftezehrend für sie ist.

In einem Alter von 4 Wochen sind Welpen voll entwickelte kleine Hunde, die in die vielleicht wichtigste Phase ihres Lebens eintreten, die Sozialisierungsphase. Die Welpen sind nun besonders empfänglich für soziale Anreize. Sie sind neugierig, merken sich alles, was ihnen gezeigt wird und können neue Bindungen zu verschiedenen Individuen aufnehmen. Nun sollte das wichtige Umgebungstraining mit den Welpen beginnen.

Forschungen zeigen, dass die Erfahrungen der Welpen in der Sozialisierungsphase die weitere Entwicklung stark beeinflussen. Welpen, die wenig Umgang mit Menschen haben, sind oft weniger kontaktfreudig und können schwieriger im Alltag sein, so zum Beispiel beim Training, bei Tierarztbesuchen oder der Pflege.

Der Züchter hat eine große Verantwortung, den Welpen ohne Unterstützung seiner Geschwister Teil des Familienlebens werden zu lassen. Er sollte mit Alltagserlebnissen, Menschen und Geräuschen vertraut gemacht werden, bevor die Angstreaktionen vollständig entwickelt sind. Mit 5 bis 6 Wochen sollte der Kontakt zu Menschen nach und nach gesteigert werden – beim Spielen, Kuscheln, auf den Arm nehmen und wöchentlichem Spazierengehen mit jedem einzelnen Welpen.

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Erlernen sozialer Signale

In einem Alter von 5 bis 7 Wochen gehen die Welpen auf ausgedehntere Erkundungstouren und spielen intensiv miteinander und anderen Rudelmitgliedern, im Durchschnitt die Hälfte ihrer wachen Zeit des Tages. Mit Vorliebe erkunden sie ihre Umgebung mit den Zähnen. Nun wird die sogenannte Beißhemmung erlernt – wie fest kann man seine Geschwister beißen, bis sie vor Schmerzen aufjaulen und das Spiel beenden? Welpen jaulen teils, weil es wehtut, teils, weil junge Hunde in diesem Alter etwas Dramatisches an sich haben. Gleichzeitig erlernen sie das Signalsystem der Hunde und wie man miteinander umgehen sollte. Gibt es andere, ausgewachsene Hunde im Haushalt, beteiligen sich auch diese an der Entwicklung sozialer Signale der Welpen. Daher ist es wichtig, dass die Welpen Kontakt zu anderen Hunden haben.

Die Hünden leitet das Absetzen ein und die Welpen gehen zu festem Futter über

Für die Hündin werden die Welpen nun anstrengend, weshalb sie diese für längere Zeit alleine lässt und mit dem sogenannten Absetzen beginnt. Das Entwöhnen der Welpen von der Muttermilch ist ein üblicherweise entspannter Prozess, doch wenn die Hündin die Welpen als zu energisch empfindet, kann sie gereizt werden und auch mal hart durchgreifen. In der Wildnis würde sie von anderen erwachsenen Hunden Hilfe bekommen. Diese Möglichkeit findet sich selten bei Züchtern, dennoch können diese sie unterstützen und entlasten, sodass sie Zeit für sich selbst hat.

Ab einem Alter von 5 bis 6 Wochen fressen die Welpen nahezu wie ein ausgewachsener Hund, auch wenn das Kauen von allzu hartem Futter weiterhin Probleme bereiten kann. Sie beginnen, Gegenstände und Futter zu verteidigen, indem sie knurren und ihre Pfote darüberlegen, schütteln Spielsachen wie erwachsene Hunde ihre Beute und die Rangordnung entwickelt sich, obschon sich diese während des Heranwachsens der Welpen konstant verändert.

Zeit für den Umzug!

Mitten in der Sozialisierungsphase – in einem Alter von 8 bis 9 Wochen – verlassen die meisten Welpen den Züchter, die Hündin und ihre Wurfgeschwister und ziehen zu ihren neuen Besitzern. Das Alter eignet sich gut, um sie in einem neuen Zuhause einzugewöhnen. Bislang wurde der Welpe von seiner Mutter, seinen Geschwistern und eventuell anderen Hunden im Rudel geprägt. Nun ist es Zeit, dass der Welpe von seinen neuen Menschen erzogen wird. Damit das funktioniert und der Hund zu einem harmonischen Individuum heranwächst, sollten die neuen Besitzer das Umgebungstraining weiterführen, das der Züchter bereits begonnen hat.

Wenn der Welpe zu früh getrennt wird

Ein Welpe darf laut deutscher Tierschutz-Hundeverordnung bis zu einem Alter von 8 Wochen nicht längerfristig von seiner Mutter getrennt werden, sofern es keine besonderen Gründe gibt. Wird der Welpe zu früh von seiner Mutter getrennt, ist er nicht ausreichend sozialisiert. Vermutlich wird ihm das Zusammensein mit anderen Hunden später Probleme bereiten.

Umgebungstraining mit der neuen Familie

Das Alter von 8 bis 12 Wochen ist eine gute Zeit zum Lernen, da die Erlebnisse des Welpen deutlich öfter zu bleibenden Erinnerungen werden. Es ist auch eine wichtige soziale Phase. Durch das Umgebungstraining arbeiten die neuen Besitzer weiter an der Grundlage für die zukünftige Mentalität des Hundes. Es ist von größter Wichtigkeit, dass er auf neue Menschen, Tiere und Situationen trifft – auf entspannte und angenehme Weise. Der Hund sollte sich ausgeglichen und ruhig an neue Umgebungen gewöhnen können. Frauchen oder Herrchen stehen dabei für Sicherheit, Nähe und Fürsorge. Wird der Welpe in dieser Phase starken Sinneseindrücken ausgesetzt, kann er einen Schock erleiden und für den Rest seines Lebens beeinträchtigt werden.

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Die juvenile Phase bzw. die Entwicklung des Junghundes erstreckt sich von der 12. Woche bis zum 7. Lebensmonat. Nun wächst der Welpe körperlich und mental zu einem ausgewachsenen Hund mit eigener Persönlichkeit heran.

In der juvenilen Phase verringert sich das Interesse, neue Kontakte aufzunehmen und die Angst wird größer. Man kann das Umgebungstraining auch in dieser Phase fortführen, selbst wenn es mehr Arbeit bedeutet und es nicht ganz so leicht ist, ein gutes Resultat zu erzielen. Die Phase eignet sich bestens zum Lernen (Komm, Sitz, Bleib) und um den Fokus auf gute Angewohnheiten und klare Regeln zu legen, denen es zu folgen gilt. Nun ist auch eine ideale Zeit, den Hund auf kürzeres Alleinsein zu trainieren.

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Von nun an spielt der Welpe in mehr als der Hälfte seiner Wachphasen. Im Spiel trainiert er Muskeln und Gemüt und lernt seine starken und schwachen Seiten kennen. Gesellen Sie sich zu ihm auf den Boden und spielen Sie mit dem Welpen, um das Band zwischen Ihnen beiden zu stärken. Höchstwahrscheinlich wird der Welpe immer mal wieder beißen. Damit er damit aufhört, kann man aufstehen und weggehen oder die Aufmerksamkeit des Hundes auf ein Spielzeug lenken. Auf diese Weise lernt er, wo er reinbeißen darf und wo nicht.

Die Zeit zwischen der 13. und 16. Lebenswoche wird auch als "halb geschlechtsreif" bezeichnet. In dieser Zeit steigt der Testosteronspiegel bei sowohl Rüden als auch Hündinnen, und der Welpe versucht, seinen Platz unter den Menschen und anderen Hunden zu finden.

Um den 5. Lebensmonat herum steigt das Jagdinteresse des Welpen. Dies lässt sich daran erkennen, dass der Welpe sich mehr für Düfte interessiert und verschiedenen Spuren folgt. Viele Hundebesitzer haben in dieser Zeit den Eindruck, der Welpe lebe in seiner eigenen Welt und höre nicht richtig, zum Beispiel kommt er nicht, wenn man ihn ruft. Das liegt nicht daran, dass er ungehorsam ist. Er ist einfach so konzentriert, dass er Sie nicht hört.

In einem Alter von 6 Monaten sind die meisten Welpen stubenrein. Durch Aufmerksamkeit kann man die Signale des Hundes erlernen, wann er eine Runde gehen muss. Zu Beginn kann der Welpe nicht einhalten, aber mit sechs Monaten hält er eine ganze Weile aus, bevor man mit ihm rausgehen sollte.

Von den Welpenzähnen zu bleibenden Zähnen

Zwischen der 16. und 20. Lebenswoche lösen sich die spitzen Welpenzähne und werden durch neue, deutliche kräftigere bleibende Zähne ersetzt. Wie der Welpe den Zahnwechsel erlebt, ist sehr unterschiedlich. Einige Welpen beißen überall hinein, während andere überhaupt nicht reagieren.

Oft schluckt der Welpe die Milchzähne. Überprüfen Sie, dass sich wirklich alle Milchzähne lösen und der bleibende Zahn ordentlich durchkommt. Andernfalls kann sich das ungünstig auf den Biss auswirken. Milchzähne, die sich nicht von alleine lösen, müssen unter Umständen operativ entfernt werden. Führen Sie eine tägliche Zahnputzroutine ein, um zukünftigen Zahnproblemen vorzubeugen.

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"Spooky Periods"

Das Alter von 5 bis 7 Monaten wird mitunter als "Spooky Periods" bezeichnet. Der Welpe hat plötzlich Angst vor alltäglichen Situationen, die zuvor keine Probleme bereitet haben. Er fürchtet sich beispielsweise im Dunkeln, reagiert auf Schatten, Fahrräder und flatternde Wimpel. Er reagiert mit Misstrauen, bellt, weigert sich, näherzukommen oder weicht aus Angst zurück. Versuchen Sie nicht, den Hund in solchen Situationen zu zwingen oder wütend zu werden. Vermeiden Sie es auch, ihn abzulenken oder mit Streicheln oder Leckerlis zu locken. Ebenso sollten Sie nicht die Angst verstärken, indem Sie ihn bedauern oder Umwege einschlagen, um dem Unangenehmen aus dem Weg zu gehen. Zeigen Sie sich stattdessen unberührt und gehen Sie weiter, als wäre nichts passiert. Laufen Sie in den nächsten Wochen häufiger am Furcht einflößenden Ort vorbei, bis er seinen Schrecken verloren hat.

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Körperliche Geschlechtsreife, oft auch als Trotz- oder Flegelphase bezeichnet

Mit etwa 7–9 Monaten ist der Hund körperlich geschlechtsreif (bei größeren Hunderassen kann dies bis zu einem Alter von 18 Monaten dauern). Dann wird die Hündin zum ersten Mal läufig und der Rüde (und auch so manche Hündin) beginnt, ihr Revier an allen möglichen Stellen mit Urin zu markieren.

Jetzt lässt sich eine deutliche Änderung im Verhalten des Hundes feststellen. Bevor sich der Hormonspiegel stabilisiert, kann es in dessen Gehirn zu Chaos kommen. Der Spieltrieb nimmt ab, beide Geschlechter (bei Hündinnen etwas weniger ausgeprägt) sind weniger sozial, zögerlicher und aggressiver gegenüber fremden Hunden eingestellt. Dieses Stadium wird oft als Trotz- oder Flegelphase bezeichnet, und viele Hundebesitzer haben das Gefühl, dass ihnen ihr Hund plötzlich nicht mehr gehorcht und sogar Fähigkeiten verliert, die er vorher bereits beherrschte.

Während dieser Zeit ist der Welpe oft weniger empfänglich für Lerneinheiten. Kennt er den Unterschied zwischen Aktivität/Lernen und Regel/soziale Anforderung zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ist es jetzt höchste Zeit hierfür. Andernfalls entsteht leicht eine Stresssituation: Der Hund fühlt sich unsicher und erkennt keinen Unterschied zwischen den beiden Kategorien.

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Selbst wenn der weibliche Welpe jetzt geschlechtsreif und körperlich dazu in der Lage ist, selbst Welpen zu bekommen, ist er dafür geistig noch nicht reif. In Deutschland ist es gesetzlich verboten, eine Hündin zu paaren, die jünger als 18 Monate ist. Viele Zuchtvereine haben sogar eine Grenze von 2 Jahren gesetzt, bevor eine Hündin ihren ersten Wurf bekommen darf.

Der 10. Bis 17. Lebensmonat – eine gute Zeit, um zu lernen

Die Zeit zwischen dem 10. und 17. Lebensmonat ist für gewöhnlich eine entspannte Phase hinsichtlich der Hormone, sodass sich dieser Zeitraum gut zum Lernen eignet. Hat man mit dem Hund schon ein erstes Gehorsamkeitstraining besucht, gibt es viele gute Folgekurse. Auf den Seiten des Berufsverband zertifizierter Hundetrainer e.V. finden Sie eine Übersicht professioneller Hundetrainer in der Nähe Ihres Wohnortes.

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Wechseln sie vom Welpenfutter zum normalen Futter, wenn der Hund ausgewachsen ist

Ist der Hund ausgewachsen, hat also Widerristhöhe und sein volles Gewicht erreicht, ist es an der Zeit, vom Welpenfutter zum normalen Futter für ausgewachsene Hunde zu wechseln.

Wann ein Hund ausgewachsen ist, hängt von der Rasse ab, wobei es bestimmte individuelle Abweichungen gibt. Zwerghunde, kleine und mittelgroße Rassen wie Chihuahua und English Springer Spaniel sind in der Regel um den 8. bis 9. Lebensmonat ausgewachsen. Bei größeren Rassen wie Labrador Retriever oder Golden Retriever schwankt es zwischen dem 12. und 15. Monat. Für einige richtig große Hunde wie die Deutsche Dogge oder Neufundländer dauert es noch länger, bis etwa zum 18. bis 24. Lebensmonat.

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Einjahresimpfung

In einem Alter von 12 Monaten ist es an der Zeit, die Impfungen des Welpen gegen Parvovirose (Hundeseuche), Staupe und Hepatitis aufzufrischen.

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Wann die psychische Geschlechtsreife/Pubertät beim Hund eintritt, ist von der Rasse abhängig und kann sich von Hund zu Hund stark unterscheiden. Im Normalfall beginnt diese Phase zwischen dem 17. und 22. Lebensmonat und die meisten Hunde wachsen in einem Alter von 3 Jahren aus der Pubertät wieder heraus. Ein Hund kann nahezu genauso von den Hormonen betroffen sein, wie es bei uns Menschen in dieser Zeit der Fall ist.

Nun beginnt der Hund erneut, seine Rolle und die der Rudelmitglieder zu hinterfragen, nicht zuletzt, wer Strukturen und Regeln festlegt. Ein furchtloser Welpe kann nahezu zum Monster werden und Ängste, Aggressionen und sonderbare Verhaltensweisen zeigen. Einige versuchen, das Kommando bei anderen Hunden in ihrer Umgebung zu übernehmen und Hunde, die zuvor Kumpel waren, können plötzlich zu Feinden werden. Nun kann sich der Vierbeiner ernsthaft mit seinen Artgenossen raufen. Viele Hundebesitzer bemerken, dass der Hund in dieser Zeit endlos viel Energie hat und sich durch nichts ermüden lässt.

Vermutlich benötigt der Hund in diesem Alter mehr mentale Anreize als in irgendeiner anderen Phase seines Lebens. Gleichzeitig ist es wichtig, die geltenden Regeln deutlich zu machen und sich an den guten Gewohnheiten im Alltag zu orientieren. Verhält man sich klar, sicher und konsequent, kann diese Zeit mit den meisten Hunden zu einer entspannten Phase werden.

Für einige Hundebesitzer kann die psychische Geschlechtsreife/Pubertät zur Herausforderung werden. Oft stellt der Hund als Individuum gegebene Strukturen infrage, während Frauchen oder Herrchen unsicher und vage in Bezug auf die Rangordnung bzw. "Bestimmerrolle" sind. Es ist deutlich schwerer, Machtpositionen nach dem 3. Lebensjahr des Hundes zu verhandeln, dennoch ist es nicht unmöglich!

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Die meisten Hunde sind in einem Alter von 2,5 bis 3 Jahren ausgewachsen. Dann zeigen sich die angeborenen Eigenschaften des Tieres und all das, was er in seinen ersten Lebensjahren gelernt hat, in dem "fertigen" Hund.

An dieser Stelle enden üblicherweise die Beschreibungen der verschiedenen Lebensphasen eines Hundes, obwohl er natürlich viel länger lebt. Es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, doch viele Hundebesitzer sind der Meinung, dass der Hund in einem Alter von 7 bis 8 Jahren in eine erneute Phase eintritt, die bis zum Lebensende anhält. In dieser scheint es, als wäre er zu einem weisen Tier herangewachsen, das mehr weiß und versteht, als wir von unserem vierbeinigen Freund erwarten würden. Einige Hunde ergreifen selbst die Initiative und wirken, als ob sie Sachen und Dinge herausfinden können.